Beweidung im Tollensetal

Wie Weidetiere der Natur (Kulturland) helfen

Seit Mai 2025 läuft im Tollensetal ein neues groß angelegtes Beweidungsprojekt: Auf zunächst 40 Hektar artenarmen Grünlandes grasen jetzt Rinder. Langfristig sollen entlang eines 14 km langen Talabschnitts bis zu 160 Hektar Grünland in naturnahe, artenreiche Wiesen und Weiden umgewandelt werden. naturerbe.nabu.de

Warum Beweidung – und nicht Mahd oder intensive Landwirtschaft?

  • Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurde das Tollensetal stark reguliert und intensiv genutzt – viele ehemals blütenreiche Wiesen und Feuchtwiesen gingen verloren. naturerbe.nabu.de
  • Intensiv genutztes Grünland ist oft geprägt durch wenige einjährige oder konkurrenzstarke Pflanzen; Pflanzenvielfalt, Insekten und Wiesenvögel verschwinden, wenn Gewässerauen oder Feuchtflächen nicht gepflegt werden. ostseestiftung.de
  • Extensiv beweidete Flächen mit wenigen Tieren und ausreichend Ruhezeiten erlauben der Vegetation, sich vielfältig zu entfalten – Blütenpflanzen, Kräuter und seltenere Arten erhalten Raum. Laut dem NABU-Projekt entsteht dadurch ein buntes Mosaik aus Offenland, feuchten Stellen, Saumstrukturen und kleinen Mikrohabitaten. naturerbe.nabu.de

Was bringt die Beweidung – konkret für Biodiversität & Landschaft?

  • Vielfalt für Pflanzen und Insekten: Durch den Verbiss und Tritt der Tiere werden konkurrenzstarke Gräser geschwächt – das schafft Licht und Raum für Kräuter und Blütenpflanzen. Gerade auf ehemals nährstoffarmen oder verarmten Flächen kann so pflanzliche Vielfalt zurückkehren.
  • Lebensraum für Insekten, Amphibien und Kleintiere: Offene Bodenstellen, unterschiedliche Vegetationsstrukturen, Feuchtstellen oder Randbereiche bieten Lebensraum für bodenbewohnende Insekten, Amphibien oder Reptilien; Dunghäufen und Mist bieten Nahrung und Lebensraum für Dungkäfer & Co. Naturpark Westensee – Obere Eider e.V.
  • Neue Chancen für Vögel und größere Tiere: Arten, die auf strukturreiche, abwechslungsreiche Grünland- und Feuchtwiesen angewiesen sind – etwa Wiesenvögel oder Greifvögel wie der Schreiadler – profitieren besonders: Die Beweidung verbessert Nahrungsangebot und Jagdmöglichkeiten, Rückzugsflächen bleiben erhalten. naturerbe.nabu.de
  • Langfristige Wiederherstellung naturnaher Lebensräume: Statt kurzlebiger, intensiver Nutzung entsteht mit der Zeit eine nachhaltige, ökologisch wertvolle Kulturlandschaft – eine gute Kombination aus Naturschutz und kultureller Nutzung.

Ein Modell für die Zukunft – auch mit Blick auf regionale Landwirtschaft

Das Projekt im Tollensetal zeigt, dass extensive Beweidung mehr sein kann als nostalgische Landschaftspflege: Es ist ein aktives Instrument zur Förderung von Biodiversität und Lebensraumvielfalt – und passt besonders gut in Regionen, in denen frühere intensive Nutzung oder Entwässerung Landschaft und Natur stark verändert haben.

Aus meiner Sicht ist gerade für unser Bundesland – mit zahlreichen Mooren, Feuchtwiesen und ehemaligen Auenlandschaften – ein solches Vorgehen ein sehr wichtiger Beitrag, um naturnahe Vielfalt wiederherzustellen und artenreichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu erhalten.


Warum solche Projekte wichtig sind – auch für unsere Arbeit mit Natur und Tieren

Da wir selbst im Bereich tiergestützter Arbeit und handlungsorientierter Naturerfahrung tätig sind, ist das Tollensetal-Beweidungsprojekt ein schönes Beispiel dafür, wie Tierhaltung und Naturschutz zusammenwirken können: Weidetiere pflegen Landschaft und erzeugen gleichzeitig Lebensräume für wildlebende Tiere – die Diversität, die entsteht, kann wiederum Menschen – z.B. in der Umweltbildung – zugänglich gemacht werden.

Ich finde es sehr beruhigend zu sehen, wie mit relativ einfachen Mitteln (Rinder auf Extensivweiden) eine große Wirkung für Biodiversität und Landschaft erreicht werden kann – ein Modell, dass wir vielleicht auch in kleinen Maßstäben und in Verbindung mit sozialen, bildenden Angeboten in unserer Region bedenken könnten.


Quellen

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Kategorisiert als Allgemein

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