Wer auf der Weide arbeitet – ob mit Tieren, in der Landschaftspflege, in pädagogischen Projekten oder in der Arbeitsintegration – weiß, wie vielfältig, sensibel und manchmal komplex dieser Raum ist. Eine Weide ist nicht nur ein Ort für Schafe oder Ziegen, sondern ein lebendiges Ökosystem: Pflanzen, Boden, Witterung, Geländeformen, Zäune, Herdenverhalten und menschliche Abläufe greifen ineinander.
Gleichzeitig entsteht das meiste Wissen dazu im Alltag – im Gespräch am Zaun, beim Kontrollgang über die Fläche, beim Auf- und Abbau von Koppeln oder im direkten Erleben mit Mensch und Tier. Vieles wird mündlich weitergegeben, intuitiv gelernt oder von erfahrenen Kolleg*innen übernommen.
Mit dem Weidewiki möchten wir genau hier ansetzen:
Ein digitales Nachschlagewerk schaffen, das nicht fertig, nicht perfekt und nicht abgeschlossen ist – sondern ein lebendiges Projekt, das mit euren Erfahrungen wächst. Ein Ort, an dem Praxiswissen gesammelt, kritisch hinterfragt und gemeinsam weiterentwickelt wird.
Das Weidewiki ist also kein Lehrbuch, sondern ein Werkzeug für Austausch, Orientierung und Beteiligung.
1. Wissen zugänglich machen – aber nicht unkritisch
Im Umgang mit Tieren kursiert viel Erfahrungswissen, das hilfreich sein kann, aber oft widersprüchlich erscheint und nicht selten Zielen und Verantwortung zum Tierwohl und ökologischen Fragenstellungen entgegen stehen.
Im Weidewiki wollen wir Grundlagen erklären, Begriffe sortieren und Methoden beschreiben, gleichzeitig aber Raum für Diskussion und unterschiedliche Perspektiven lassen.
Denn gerade in tiergestützten Projekten oder der Weidehaltung gibt es selten „die eine richtige Lösung“. Offenheit gehört dazu.
2. Sicherheit stärken – für Mensch und Tier
Wer mit Schafen, Ziegen und größeren Weidetieren arbeitet, trägt Verantwortung für Mensch, Tier, Klima, Boden und Umwelt. Klar erklärte Grundlagen helfen, Risiken zu erkennen, Unfälle zu vermeiden, Umweltstress zu reduzieren und Gefahrensituationen besser einzuschätzen.
Das Weidewiki soll dabei keine starre Anleitung, sondern eine Orientierung bieten, die hilft, verantwortungsvoll und reflektiert zu handeln.
3. Tierwohl fördern – und die eigene Praxis hinterfragen
Artgerechte Haltung, gutes Management und respektvoller Umgang sind zentrale Ziele unserer Arbeit auf der Weide und unserer Tierhaltung. Das Weidewiki möchte Fachwissen vermitteln, aber genauso zum Nachdenken anregen:
Was brauchen die Tiere wirklich? Wo entstehen Belastungen? Wie beeinflusst unser Verhalten die Herde?
Ein Wiki, das Fragen stellt, ist uns wichtiger als eines, das fertige Antworten liefert.
4. Teilhabe ermöglichen – besonders für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen
Einige Menschen, die an Weideprojekten teilnehmen, haben noch wenig Tiererfahrung oder bringen besondere Unterstützungsbedarfe mit. Deshalb wird das Weidewiki bewusst niederschwellig, anschaulich und verständlich gestaltet. Bietet aber auch Profis, Berufsschäfern und gewerblichen Tierhaltern eine Austauschplattform. Wir finden es spannende verschiedene Perspektiven und Professionen zu integrieren.
Wir möchten Barrieren abbauen und zeigen, dass die Arbeit mit Tieren ein Lern- und Erfahrungsraum ist, der für viele Menschen zugänglich sein kann.
5. Qualität sichtbar machen – und eine gemeinsame Sprache schaffen
Tierhaltung, Sozialpädagogik, Landschaftspflege und Arbeitsintegration sprechen oft unterschiedliche „Fachsprachen“.
Das Weidewiki soll helfen, diese Begriffe zu klären und zu verbinden, damit Zusammenarbeit leichter wird und Projekte von mehr Klarheit profitieren.
Was bietet das Weidewiki konkret?
✔ Praxiswissen rund um Weidetiere
Zentrale Begriffe, Grundlagen und Methoden der Arbeit mit Schafen, Ziegen und anderen Weidetieren –
von Körpersprache und Bedürfnissen über Futterfragen bis hin zu Gesundheitsvorsorge.
Alles verständlich, reflektiert und direkt anwendbar.
✔ Ein Werkzeugkasten für Weidemanagement
Gut erklärte und praxisnahe Inhalte zu:
- Zaunsystemen und Weideaufbau
- Weidepflege und Jahresrhythmus
- Hüte- und Treibtechniken
- Sicherheit auf der Weide
- Tierwohl, Stresssignalen und Herdenverhalten
- Wolfsprävention / Weideschutz
Nicht als starrer Leitfaden, sondern als Orientierung, die sich weiterentwickelt.
✔ Orientierung für tiergestützte Arbeit
Da viele Projekte mit Weidetieren arbeiten, bündelt das Wiki Wissen zu:
- Grundlagen tiergestützter Pädagogik
- Besonderheiten in der Arbeit mit Schafen und Ziegen
- Niederschwelligen Angeboten
- Arbeitsintegration auf der Weide
- Ethischen Fragen & Qualitätsstandards
Hier wird sichtbar, wie Tierhaltung und Sozialarbeit sinnvoll ineinandergreifen können.
✔ Niederschwellig, offen, verständlich
Das Weidewiki erklärt Fachbegriffe, beschreibt Abläufe anschaulich und nutzt praxisnahe Beispiele.
Es ist bewusst so gestaltet, dass es ohne Vorwissen nutzbar ist – aber dennoch fachlich fundiert bleibt.
✔ Ein wachsendes Portal
Das Weidewiki ist im Aufbau.
Es entsteht Schritt für Schritt – durch Themen, die wir wichtig finden, und durch Fragen aus eurer Praxis.
Neue Begriffe, Materialien und Erfahrungen kommen kontinuierlich dazu.
Ihr könnt euch einbringen, diskutieren, ergänzen oder kritisch hinterfragen.
Genau das macht das Wiki lebendig.
Wie ist das Weidewiki aufgebaut?
Wir starten mit der folgenden Grundstruktur und lassen uns gemeinsam überraschen, wie sich unser Projekt entwickelt.
1. Grundlagen der Weidehaltung
Arten, Bedürfnisse, Verhalten, Gesundheit, Futter, Stall und Weide.
2. Weidepraxis
Zaunarten, Weideaufbau, Pflege, Hüten/Treiben, Sicherheit, Jahresrhythmus.
3. Tiere in der sozialen oder pädagogischen Arbeit
Methoden, Rollen der Tiere, Interaktionen, Zielgruppen, Wirkfaktoren.
4. Arbeitsintegration auf der Weide
Tätigkeiten, Kompetenzen, Lernchancen, Barrierefreiheit, Rollen im Team.
5. Materialien & Checklisten
Leitfäden, Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Merkblätter – praxisnah und anwendbar.
6. Begriffe von A–Z
Kurze, gut erklärte Stichworte als Nachschlagebereich.
Fazit: Ein offenes Projekt, das mit euch wächst
Das Weidewiki ist keine Sammlung fertiger Wahrheiten.
Es ist ein Lernraum, ein Mitmach-Projekt, ein Ort für Austausch und Reflexion.
Wenn wir Wissen teilen und diskutieren, wird Weidearbeit sicherer, tiergerechter und zugänglicher – und genau das ist die Motivation hinter dem Weidewiki.